NOWRUZ
Nowruz
Internationaler Nowruz-Tag
Die UNESCO führt auch eine Liste des Weltdokumentenerbes (Memory of the World), die weltweit bedeutende dokumentarische Zeugnisse in Archiven, Bibliotheken und Museen, darunter wertvolle Buchbestände, Handschriften, Partituren, Unikate, Bild-, Ton- und Filmdokumente umfasst, sowie eine Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit.
Nowruz (Frühlingsanfang) wurde im Jahr 2010 von der 61. Generalversammlung der Vereinten Nationen als “internationaler Nowruz-Tag” anerkannt. Zuvor nahm UNESCO den Nowruz-Tag in die Liste des Menschheitskulturerbes bzw. UNESCO-Welterbe auf.
Etymologie
Wörtlich übersetzt heißt Nowruz „Neuer Tag“ (nou oder now: neu, Ruz: Tag). Die Wörter Ruz, Roç oder Roj in iranischen Sprachen, die für Tag stehen, gehen auf das ur-indoiranische Rauça (sprich: Rautscha) zurück, was wiederum vom ur-indoeuropäischen* Leuk- stammt, woraus auch das Luç auf Russisch, Licht auf Deutsch, Leukós auf Griechisch, Lux auf Latein und Luy auf Armenisch entstanden sind. Im altiranischen Avestisch benutzte man Raôçah tatsächlich für Licht, neu hieß nava.
Ein Mytus in Shahname (Königsbuch von Ferdowsi) besagt: In mythischer Zeit habe über das Hochland von Iran der grausame assyrische Tyrann “Zahhaak” geherrscht, aus dessen Schultern zwei Schlangen wuchsen, die er jeden Tag mit zwei Kinderhirnen fütterte. Der Schmied Kawa hatte bereits 16 Söhne verloren, als er auch seinen letzten Sohn opfern sollte. Zusammen mit dem Prinzen Fereydun zog er an der Spitze einer aufgebrachten Menge zum Palast, wo sie “Zahhak” gefangen nahmen, fesselten und ihn an einen Felsen auf Alborzgebierge schmiedeten. Aus Freude entfachten die Menschen ein Feuer, das die Nachricht im ganzen Land verbreitete.
Das iranische Neujahrsfest Nowruz1
Das schönste, größte iranische Fest ist das Frühlings- und Neujahrsfest “Nowruz“ (der neue Tag), dessen Wurzeln mindestens in die Zeit der Achämeniden zurückreichen. Dieses älteste und wichtigste Fest beginnt immer mit dem astronomischen Frühlingsanfang. Der eigentliche Höhepunkt des Festes ist der Tag des Jahresausklangs, am ersten Tag“, des ersten Monats, mit dem Namen „Farwardin“2 (20./21. März).
Nowruz ist das am weitesten verbreitete, und farbenprächtigste der iranischen Feste, dass als Frühlingsfest auch in vielen Nachbarländern, wie Azərbaican, Afghanistan, Tadschikistan, Pakistan, Irak, Kurdistan, Türkei, Üzbekistan, Kazakistan, Kirkizistan und Hindustan, gefeiert wird, und obwohl es einer Tradition der vorislamischen Zeit entstammt, ist es das einzige Fest, das nicht einer einzelnen Religionsgruppe vorbehalten ist.
Über den Ursprung des Nowruz gibt es unterschiedliche Meinungen: Die antiken Perser glauben, dass Gott den Menschen am ersten Tag des Frühlings erschuf. Davon erzählen auch alte persische Legenden. In einer Volkslegende wird seine Entstehung am häufigsten mit Jamshid, dem sagenhaften mythischen iranischen König, in Verbindung gebracht, wobei das Fest an die Himmelfahrt von Jamshid erinnert, für die er einen Wagen benutzt hat, der von Dämonen gebaut wurde, die er unterworfen hatte und in den Dienst der Sterblichen gezwungen hatte.
Allerdings scheint Nowruz ursprünglich eher aus der Hirten- bzw. bäuerlichen Kultur entstanden zu sein, die den Übergang vom Winter zum Sommer verehrt hatte: Fruchtbarkeits- und Erneuerungsriten können ohne Zweifel in manchen Bräuchen erkannt werden. Zwölf Tage dauert das Fest. Am dreizehnten Tage des neuen Jahres, der als Unglückstag gilt, ziehen die Menschen in die freie Natur, und organisieren eine Art Ausflug.
In der Sasaniden- Zeit wurde zwischen einem Klein-Nowruz (am ersten Tag) und einem Großen Nowruz (am sechsten Tag des Monats) unterschieden. Später erst hat sich die Feier auf die heutige Länge ausgeweitet. Im Jahr 1006 – nach iranischer Zeitrechnung, (1627) bzw. um dieses Jahr herum, ist der erste Farwardin auf den ersten Frühlingstag gefallen, und eine Kalenderreform, zu welcher der Dichter und Wissenschaftler „Omar Khayyam“ beigetragen hatte, hat den Kalender so eingerichtet, dass der Nowruz konstant geblieben ist und alle vier Jahre ein Tag vor dem Fest eingeschoben wurde.
Pischvaz-e Nowruz (Vorbereitungen für den Nowruz)
Die Vorbereitungen für den Nowruz beginnen eine Weile vor den Feiertagen. Obwohl es lokale Unterschiede gibt, bestehen einige Gebräuche überall. Schon fünfzehn Tage vorher wird das Fest vorbereitet: Weizen, das vorher in Wasser zum Keimen gebracht wurde, wächst auf einem Teller oder einer flachen Schüssel zu kleinen grünen Schösslingen (Sabze) heran.
Der Frühlingsputz ist der wichtigste Teil bei der Vorbereitung. Die Hausfrauen haben alle Hände voll zu tun. Beschädigte gebrochene Gegenstände müssen unbedingt entsorgt werden. Schöne Blumentöpfe am Fenster, und noch einige Winterfrüchte werden hier und dorthin gestellt, damit es überall schön ausschaut und nach Blumen und Zitrusfrüchten duftet. Am Vorabend des letzten Mittwochs des Jahres (Charshanbe-Suri), beginnen die Feierlichkeiten. Auf freien Grundstücken oder in unbefahrenen Gassen, wird ein kleines Feuer gemacht, über das Jung und Alt springen. Am letzten Freitag des Jahres findet ein Besuch der verstorbenen Verwandten auf dem Friedhof statt.
Am Vorabend des Jahreswechsels laufen die allgemeinen Bäder auf Hochtouren; Alle waschen sich unbedingt den Körper, damit sie den Jahreswechsel sauber erleben. Diese Körperreinigung ist sogar ein Ritual. Unter der Sasaniden- Dynastie, haben sich die Iraner, am Vorabend des Nowruz, nach einer bestimmten Ordnung, den Körper waschen müssen. Zusätzlich war es üblich, den Körper, am nächsten Tag, d.h. am ersten Tag des Frühlingsfestes, in fließendem Wasser, wie in Flüssen u.ä., zu waschen und einander mit Wasser anzuspritzen, damit der Körper von Sünden befreit wird und auch die Seelenqualen beseitigt werden. Solchen Bräuchen begegnet man im Iran noch immer in alten Volksgruppen, besonders am Hochland in den Gebirgen. Noch immer ist es unter Nomaden und Dorfbewohnern üblich, die Festtags-, und Hochzeitswaschungen, nach bestimmten Bräuchen, in einem natürlichen Bach des Dorfes zu vollziehen.
Haji – Firuz (Nowruz – Botschafter)
Ein noch am Leben erhaltener Brauch vor dem Nowruz, ist der Aufruf des Nowruz- Botschafters „Haji-Firuz“. Das ist ein rot verkleideter Mann, mit einem „Kolah-Bughi“ (langen Magierhut) am Kopf, mit schwarz gefärbtem Gesicht, der, von einer Straße zur anderen, mit einem „Dayere“ (Tamburin) in der Hand fröhliche Lieder singt. Er bringt die Menschen zum Lachen und teilt mit jedem die gute Nachricht: Der Frühling kommt, man soll die Sorgen verjagen, den Kopf hoch halten und fröhlich sein.
Mein Herr, ich begrüße Dich
Mein Herr, heb den Kopf
Schau, wie es überall nach Zuckerbonbon riecht
Mein Herr, warum lachst Du denn nicht?
Charshanbe Suri (Fröhlicher Mittwoch)
Am Vorabend des letzten Mittwochs des Jahres wird ein kleines Feuer3 gemacht, über das Jung und Alt springen. Dabei sprechen sie zum Feuer die Worte: „Meine Blässe (mein Schädliches) möge dir gehören, deine Röte (dein Gutes) mir.
Meine Blässe für dich,
deine Röte für mich,
meine Kälte ist dir,
deine Wärme ist mir.
Die modernen Wohnviertel Teherans bieten sich schlecht für diesen Brauch an. Aber in den Provinzstädten und auf dem Lande ist er noch immer lebendig. Es gibt unzählige Bräuche für diesen Abend. Es gibt allgemeine Bräuche, die im ganzen Land bekannt sind und allgemein erhalten werden und viele lokale Glaubensbezogene, auch zum Teil Schamanistische Arten, die schon längst Tradition geworden sind.
In Schiraz
Am selben Abend gehen, in Schiraz, Leute mit einem Korb Salz umher und verkaufen es den Passanten gegen eine Handvoll Münzen. An diesem Abend wird auch die Zukunft gedeutet.
Hat man sich einen Wunsch ausgedacht, wird ein Schlüssel mit zwei Kerben auf die Erde gelegt; derjenige, der sich etwas gewünscht hat, lehnt das rechte Ohr gegen eine Mauer; und je nachdem, was er hört, erfüllt sich auch sein Wunsch. Unter die Dachrinne des Hauses wird oft auch ein blauer Krug gestellt, und alle, die sich einen Wunsch ausgedacht haben, werfen irgendetwas in den Krug. Am nächsten Morgen nimmt ein kleines Mädchen die Gegenstände heraus und deutet sie.
Manche stellen sich, mit einem Schlüsselbund unter dem Fuß, an eine Straßenecke, und wünschen sich etwas. Sagt die erste vorbeigehende Person unaufgefordert ein gutes Wort, geht der Wunsch in Erfüllung. Man darf allerdings nicht vergessen, vorher den Schlüssel unter die Dachrinne zu legen.
Andere legen ein paar Münzen in einen Krug, der bei Sonnenuntergang mit den Worten von der Terrasse geworfen wird: „Mögen meine Schmerzen und Sorgen mit diesem Krug verschwinden! “ Man darf sich allerdings dabei nicht umdrehen, sonst könnte ein Unglück geschehen.
In Esfahan
In Esfahan springt man über ein brennendes blaues Tuch und singt dabei ein paar Reime, die das Böse vertreiben sollen. Auch gibt es zum Teil noch den Brauch, dass sieben Frauen einen Topf mit Wasser füllen, das sie aus sieben Quellen geschöpft haben. Jede von ihnen wirft dann irgendeinen kleinen Gegenstand in den Topf. Über diesen wird ein metallener Teller gestülpt, der ein Erbgegenstand sein muss. Dann steckt man den Topf in den Ofen.
In der Früh des nächsten Morgens holen ihn die Frauen heraus. Die älteste setzt sich, stellt ihn zwischen ihre Beine, deckt ihn mit einem Tuch zu, zieht einen Gegenstand heraus, und hält ihn eine Weile in der geschlossenen Hand, einen Vers des „Hafez“ zitierend. Dann öffnet sie die Hand, und gibt den Gegenstand dem Eigentümer. Je nach Aussage des Verses ist die Zukunft gut oder schlecht.
Sofre ye Haft Sin (Nowruz- Tisch)
Wichtigstes Brauchtum sind die Haft Sin. Am Vorabend des Neujahrstages, brennt in jedem Zimmer des Hauses eine Kerze (Symbol des Lichts). Auf einem festlich gedeckten Tischtuch, der in manchen Familien am Boden liegt, oder auf einem Tisch werden sieben Gegenstände ausgebreitet, die mit dem Buchstaben „S“ (pers. Sin) beginnen: Sabze (Weizen- oder Linsensprossen), Samanu (eine süße Speise aus Weizenkeimen), Sir (Knoblauch), Serke (Essig), Somagh (saures Gewürz), Sib (Apfel) und Senjed (Mehlbeeren). Außerdem kommen Sekke (Münzen), häufig auch Sonbol (Hyazinthe) sowie Sepand (eine wilde Raute) – für den Weihrauch – hinzu. Zusätzlich werden ein Spiegel (Symbol für Glück), ein oder einige Goldfische, die in einem durchsichtigen Wasserkrug schwimmen, ein Stück Brot, bemalte harte Eier sowie Diwan-e Hâfez (Gedichtband von Hafez), bei Zoroastriern eher das Awesta und bei Moslemen der Koran, gedeckt.
Die Jahreswende wird, besonders von Kindern, mit Spannung und Aufregung erwartet. Einige Augenblicke nach der Ankündigung des Neuen Jahres, des Nowruz, beginnen alle Mitglieder der Familie, die sich, gebadet und in frischen Kleidern, um den Tisch versammelt hatten, einander zu umarmen und ihre Glückwünsche auszutauschen. Die Älteren beschenken die Jüngeren. Alle Erwachsenen in der Familie versuchen auf jeden Fall den Kindern etwas zu schenken. Diese bekommen Geld oder heutzutage auch Spielzeuge. Wenn einer sich nichts Großes leisten kann, schenkt er den Kindern gefärbte Eier und jedem anderen Jüngeren Geldscheine mit der kleinsten Währung, die aber extra für Nowruz frisch gedruckt werden.
Der gegenseitige Besuch der Verwandten und Freunde, während der folgenden zwölf Tage, ist auch einer der schönsten Nowruz– Bräuche. Wobei die Ältesten der Verwandten als erste besucht werden. Der Nowruz–Besuch ruft alle zur Versöhnung. Und daher versuchen alle, einander wieder zu treffen und schlechte Erinnerungen der Vergangenheit auszulöschen, einander näher zu kommen und einander zu verzeihen.
Vor 1000 Jahren bekamen Nowruz-Gäste Wein als Erfrischungsgetränk. Die Sieben Sachen für die Nowruztafel vor der Islamisierung Afghanistans sollen mit dem Buchstaben [Sch] angefangen haben:
- Schahd (Honig)
- Schir (Milch)
- Schaye (Frucht)
- Scharab (Wein, Shaft)
- Scham’ (Kerze)
- Schirini (Zucker bzw. Süßigkeiten)
- Schaghayegh (Anemone)
Festmahle4:
Frischer Weißfisch oder geräucherter Fisch mit Dillreis (Sabsi-Polo ba Ma´hi) wird serviert. Alle Familienmitglieder versammeln sich im Eltern- oder Großelternhaus zum Festabendessen. An dem Abend werden auch an die neuen Familienmitglieder (Braut oder Bräutigam) Nowruz- Geschenke (Armaghan), verteilt. Entweder eine Goldmünze oder etwas nach ihrem Wunsch oder Bedarf.
Audienz im Königspalast (Persepolis)
Die Achämeniden- Könige (559-330 vor Christus) feierten Nowruz vor allem in Persepolis, ihrer Hauptstadt, und viele Gelehrte sind der Ansicht, dass die Parade der Geschenk-Botschafter der verschiedenen Völkerschaften, wie sie auf den Reliefs der Apadana- Palastwände abgebildet sind, eine Nowruz- Zeremonie darstellt.
Der sechste Tag des Festes war der Große Nowruz. An diesem Tag kamen die Bevölkerungsgruppen in den Palast, um den König beglückwünschen zu können, und jeder konnte sein Festgeschenk persönlich erhalten.
Unter den Sasaniden (226-652 n. Chr.) wurde der Nowruz, sowie der Mehrgan zelebriert. Zeitgenössische Zeugnisse und auch Berichte aus der Frühislamischen Zeit bestätigen, dass die Sasanidenkönige sich der Nowruz-Feier und seinen farbenprächtigen Bräuchen und Zeremonien ausgiebig hingegeben haben. Einige von diesen Quellen neigen dazu, die Zahl sieben hervorzuheben: zum Beispiel wurden sieben Arten von Samen in kleinen Behältern als Teil der Riten und als Schmuck verwendet. Ein Brauch, der in den wenigen heute noch bestehenden Dörfern der Zarathustra-Anhänger im Iran noch beobachtet werden kann.
Der 13. Tag (Sizdah be dar)
Zwölf Tage lang dauert das Fest. Mit dem dreizehnten Tag (Sizdah-be-dar) endet das Fest. Familien und Freunde treffen sich am „Sizdah be dar“, manchmal in großen Gruppen, und verlassen die Stadt gemeinsam und gehen zum Picknicken aufs Land. Man nimmt die Sabze (Weizenkeimlinge) mit, die vor Nowruz gesetzt wurde und schon zu einem grünen „Teppich“ herangewachsen ist, und wirft sie in der freien Natur weg, möglichst in einen Fluss. So glauben sie nicht nur, den Frühling willkommen zu heißen, sondern damit auch das Böse, das der dreizehnte Tag mit sich bringen könnte, dort zu belassen, wo es kein Unheil anrichten kann und damit alles Übel vertreiben zu können.
Auf den Wiesen und in den Wäldern sieht und hört man den ganzen Tag lang, die Menschen fröhlich tanzen und musizieren. Junge Mädchen, die fast im heiratsfähigen Alter sind, singen, während sie Knoten in die Grashalme flechten, einem alten Brauch entsprechend, immer denselben Vers:
„Der dreizehnte draußen zu unserem Glück,
Und in einem Jahr
Für mich einen Mann
Und in meinen Armen ein Kind!“
Ich musste mich leider beschränken. Aus der Fülle des Stoffes, habe ich nur das herausgeholt, was mir bedeutend erschien. Hätte ich versuchen wollen, alle Erzählungen und Bräuche zu bringen, die wir aus der Kulturgeschichte der iranischen Völker kennen, so wäre ein Umfang von gut hundert Seiten erforderlich gewesen.
Meine Darstellung mag subjektiv erscheinen, vor allem dort, wo die Sachverhalte selbst noch umstritten sind. Dies gilt leider für fast alles, was sich auf die Kulturgeschichte des Alt-Irans bezieht. Gleichwohl hoffe ich, wenigstens eine, in sich folgerichtige, Gesamtheit von Nowruz entworfen zu haben.
1) NOWRUZ
Der Iran wurde als Vertreter der 10 Staaten, die „NOWRUZ“ als Neujahrsfest feiern, seitens der UNESCO, gewählt, um Nowruz als „Masterpieces of the Oral and Intangible Heritage of Humanity“ der UNESCO zur Registrierung bereit zu stellen. Auf diesem Wege wurde auch eine einheitliche Schriftart für „NOWRUZ“ empfohlen, die ab jetzt angewendet werden soll.
2) Die iranischen Kalender
Im Iran sind drei unterschiedliche Kalender in Gebrauch:
Im Alltag wird überwiegend der iranische Sonnenkalender verwendet. Die eslamischen Feste richten sich nach dem Mondzyklus (Mondkalender). Im Geschäftsverkehr mit dem westlichen Ausland gilt der gregorianische (christliche) Kalender. Das iranische Sonnenjahr erstreckt sich vom 21. März bis zum 20. März des darauffolgenden Jahres der christlichen Zeitrechnung. Da die eslamisch- iranische Zeitrechnung mit der Übersiedlung Mohammads nach Medina (622 n. Chr.) beginnt, zeigt der iranische Sonnenkalender eine Differenz von 621 oder 622 Jahren zum christlichen Kalender.
Der eslamische Kalender orientiert sich am eslamischen Mondjahr, das um 11 Tage kürzer ist als das Sonnenjahr. Es währt also nur 354 Tage, wobei elfmal in 30 Jahren ein zusätzlicher Tag eingefügt wird. Die zwölf eslamischen Monate wandern somit durch den Jahreskreis. Da jeder eslamische Monat mit dem ersten Sichtbarwerden des Neumonds am Abendhimmel beginnt, kann es zu regionalen Terminverschiebungen kommen.
3) Spuren von uralten Bräuchen in Europa,
Feuerrituale
Knisternde Lagerfeuer-Romantik ist Donnerstag Nacht, im Juni, angesagt: Da laden die zwei Dörfer, das eine in Breitensee und das zweite in Siebenhirten, im Maisfeld zum Johannis-Fest ein – einem uralten Brauch, der wieder zum Leben erweckt wurde. Verliebte, die wissen möchten, ob das „Strohfeuer“ zwischen ihnen bald erlischt oder ob es die Beziehung fürs Leben ist, können den Sprung über die lodernden Flammen wagen. Die Hände müssen dabei gekreuzt sein. Halten sie sich auch noch nach der Feuerprobe fest, stehen die Sterne gut.
Auszug von: Neue Kronen Zeitung, Wien
Jahresfeuer
Feuer ist ein elementarer Bestandteil vieler Riten und Bräuche. Jahreszeitlich gebundene Feuer bilden nur einen Teil des aufs Ganze gesehen umfangreichen Feuerbrauchtums. Der überwiegende Teil der Jahresfeuer fällt in die erste Jahreshälfte von Weihnachten bis zur Sommermitte, wobei sich in jeder Landschaft bestimmte Termine besonders herauskristallisieren. Für Österreich können wir, aufgrund der Erhebungen zum “Österreichischen Volkskundeatlas”, ziemlich deutliche regionale Schwerpunkte erkennen.
Osterfeuer finden wir zum Beispiel im gesamten südösterreichischen Raum (v.a. in den südlichen Gebieten Kärntens, der Steiermark und Burgenlands). Feuer zu Peter und Paul begegnen wir dagegen verstärkt in den nördlichen Teilen Salzburgs und Oberösterreichs, während die Feuer am ersten Fasten – Sonntag, -”Funkensonntag”, “Hollerpfannsonntag”, “Kassuntig”- in Vorarlberg, im Außerfern und Teilen Südtirols, v.a. im Vinschgau, ihren Schwerpunkt haben. Sonnwend- und Johannisfeuer sind eigentlich in ganz Österreich anzutreffen. Eine Besonderheit Tirols sind die Herz-Jesu-Feuer.
Sonnwendfeuer
Die Feuer zur Sommersonnenwende weisen wohl vorchristliche Wurzeln auf, waren aber vor allem im Mittelalter sehr verbreitet, und haben sich, über die Verbote der Aufklärung hinweg, vielerorts bis in unsere Zeit erhalten. Im Zuge der Christianisierung, ersetzte die Kirche das Fest der Sommersonnenwende durch jenes der Geburt Johannes des Täufers am 24.6. (= Johannisfeuer), aus den Sonnwendfeuern wurden die Johannesfeuer. Ob jedoch unter dem Namen Sonnwendfeuer oder Johannisfeuer, die Feuer zur Sommersonnenwende zählen zu den verbreitetsten in ganz Österreich.
Unter dem Namen “Sonnwendfeuer” werden in Tirol vor allem noch im Raum Innsbruck und im Zillertal Bergfeuer entzündet. Brauchtermine sind die Nächte um die Sommersonnenwende, das ist der 22. Juni. Besonders in den letzten Jahrzehnten sind sie, zugunsten der Herz-Jesu-Feuer, in den Hintergrund getreten, nicht zuletzt deshalb, weil die Feiern zur Sommersonnenwende in der Zeit des Nationalsozialismus für ideologische Zwecke missbraucht wurden.
Johannisfeuer
In der Nacht des 24. Juni werden in Tirol, Nieder- und Oberösterreich, Bayern, Baden-Württemberg und Mitteldeutschland (Harz) die Johannisfeuer entzündet. Der 24. Juni ist der Geburtstag Johannes des Täufers. Er geht dem Geburtsfest Christi um sechs Monate voraus, und galt ursprünglich als Fest erster Klasse. Die Kirche versuchte bereits im Mittelalter die älteren Sonnwendfeuer durch die Johannesfeuer zu ersetzen. Das Entzünden von Johannisfeuern ist seit dem 12. Jahrhundert bekannt und seit dem 14. Jahrhundert häufig belegt.
Im Mittelalter führte man vor allem Tänze rund um die “Johannisfeuer” auf. Da das Fest des heiligen Johannes in die Zeit der Sommersonnenwende fällt, war es im Volksglauben mit vielen Bräuchen – besonders Reinigungs-, und Fruchtbarkeitsriten – verbunden.
Der Sprung über das Johannisfeuer sollte sowohl baldige Heirat als auch Schutz vor Hexen und Geistern versprechen. Angebrannte Holzstücke steckte man in Felder und Äcker, um diese vor Ungeziefer zu schützen. Auch die Johannisfeuer wurden zunehmend durch Herz-Jesu-Feuer ersetzt. In der Wildschönau, im Zillertal, im Rofangebiet und im Gebiet um Lermoos sind sie jedoch noch zu finden.
Herz Jesu- Feuer
Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert werden auf den Bergen Tirols Herz-Jesu-Feuer, als Zeichen der Erneuerung des Herz-Jesu-Gelöbnisses von 1796, entzündet. Als französische Truppen unter Napoleon I. das Land Tirol bedrohten, traten die Tiroler Landstände 1796 in Bozen zusammen, um die Situation zu beraten. Der Stamser Abt Sebastian Stöckl regte dort an, das Land dem “Heiligsten Herzen Jesu” anzuvertrauen und so göttlichen Beistand zu erhalten. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen, die Landstände gelobten im Namen des Volkes, das Herz-Jesu-Fest jährlich feierlich zu begehen. Als Herz-Jesu-Tag wurde der 2. Freitag nach dem Fronleichnamsfest gewählt.
Am Samstag nach diesem Freitag werden nun in ganz Tirol Herz-Jesu-Feuer entzündet. Sie gelten als “lodernder Beweis” der Unauflösbarkeit des Gelöbnisses der Tiroler Landstände aus dem Jahre 1796. Die Feuer ordnet man häufig in Form von Herzen, Kreuzen oder den Zeichen Christi “INRI” oder “IHS” an, aber auch in Schriftzügen, die meist auf die Tiroler Einheit hinweisen.
4) Festmahl
Wie unser Lieblingsfisch Geschichte machte. Er startete seine Karriere als Opfergabe. Und auch die Mönche im Mittelalter wussten, was sie am Karpfen hatten. Amerikaner und Australier verfolgen ihn. Doch in unserer Küche ist seine Popularität ungebrochen.
Glücklich ist, wer vom Weihnachts- oder Silvesterkarpfen eine Schuppe im Portemonnaie aufbewahrt. Ihm wird nie das Geld ausgehen – sagt der Volksmund. Der Karpfen, wenn man über ihn spricht, schneidet immer gut ab. Schon dass er zum Festtagsschmaus auserwählt ist, wird ihm positiv ausgelegt. Die Göttin Freia erhob ihn, wegen seiner Fruchtbarkeit, in den Rang eines heiligen Tieres. In verweltlichter Form, geschieht das heute noch am Heiligen Abend oder zu Silvester.
Ja, der Karpfen ist uralt. Aber die Eiszeit hat er vermutlich doch nicht miterlebt, wie eine von vielen Theorien lautet. Die Kälte hätte er kaum überstanden, da er für Temperaturen so um 23 Grad zu haben ist. Wahrscheinlicher klingt, dass er ursprünglich im Kaspischen Meer zu Hause war, von wo er sich nach Osten und Westen ausbreitete.
Auf seinem Weg nach Westen, gelangte er in das Schwarze Meer, schwamm die Donau hinauf bis in das Herz Europas. Und weil er ihnen als Fastenspeise gelegen kam, kümmerten sich die Mönche im Mittelalter um sein Gedeihen. Den Ur-Karpfen gibt es. Schlank, langgestreckt und gänzlich mit Schuppen versehen, lebt er, unweit von Wien, in den Donauauen. Sein Fleisch ist zartrosa – er ernährt sich von Muscheln.
Auszug von: Neue Kronen Zeitung, Wien
Literatur:
Wolfram, R. Die Jahresfeuer. In: Österr. Volkskundeatlas. Kommentar und Karten 3. Lfg. (1968), Bl. 52 u. 4. Lfg. (1971), Bl. 68 u. 69. – Haider, Friedrich: Tiroler Brauch im Lebenslauf. Innsbruck 1990. – Teutsch, Brigitte: Tiroler Brauchtum. Rund ums Jahr. Starnberg 1995. – Petzoldt, Leander: Volkstümliche Feste. Ein Führer zu Volksfesten, Märkten und Messen in Deutschland. München 1983. – - Küster, Jürgen: Wörterbuch der Feste und Bräuche im Jahreslauf. Freiburg 1985, 89-90. – Schmidt, L.: Zur Geschichte der Sommer-Sonnwendfeuer in Tirol. Bericht über den fünften Historikertag in Innsbruck (Veröff. D. Verbandes Ö. Geschichtsvereine 13, 1960), 109 f.
Weblinks
-
Link mit Bräuchen und Gerichten zum Nouruz-Fest
-
Zeitpunkt und Bräuche des Norus-Festes
-
Nauroz – Tulpenfest in Mazar i Sharif
-
Das iranische Neujahrsfest Nowruz (Javad Parsay)
-
Norouz Research Foundation
-
afghan-aid Newroz, Nouroz, Nauroz
-
Newroz und seine Bedeutung für Kurden
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