Yalda, Julfest od. Weihnachten
Gibt es Weihnachten?
Soll man Weinachten feiern, warum eigentlich nicht?
Wir reden immer wieder über Weinachten in Europa und über Yalda im iranischen Kultur-Gebiet.
Die Leute in Europa und im Iran betrachten diese Feste als heilig und sie feiern sie auch groß. Obwohl Dezember “zehnter Monat” bedeutet, wird er aber in Europa als letzter Kalendermonat des Jahres angenommen und als letzter Monat des Jahres hat er viele positive Einflüsse im Leben der Bevölkerung, wie Weihnachtsgeld in vielen europäischen Ländern, Finanzabschlüsse und, von Seiten der Natur her, auch Kälte. Aber andererseits hat der Dezember, wegen vieler Feste und ritueller Feierlichkeiten, eine besondere Bedeutung. Die üblichen Rituale des Monats sind u.a. die 4 Advent-Sonntage, und in vielen europäischen Ländern wird auch der 25. Dez. als Christtag gefeiert. Nach der Überlieferung der katholischen Kirche ist der 25. Dez. Christus´ Geburt.
Generell ist zu beachten, dass Sitten und Bräuche, die an die römischen Kalender-Feste gekoppelt waren, alsbald in volkstümliche christliche Feiern aufgenommen wurden und sich im Zuge der Christianisierung über ganz Europa bis in den Norden verbreiteten. Der Mittelpunkt am Weihnachtsabend ist das gemeinsame Festmahl.
Die christliche Glaubensgemeinschaft sind sich immer noch nicht über manche Geschichte und Bräuche des Christentums einig, es gibt immer wieder Streit über Christkind und Weihnachtsmann. In einer Wienerzeitung „Heute“ stand, in einem Artikel mit vielen Fragen am Vorabend des Weihnachten: Christkind erst 475 Jahre alt ist. Barbara Jandl stellt die Fragen, wie folgt: Wieso bringt uns gerade das Christkind die Geschenke? Warum hat das Christkind blonde Locken? Was macht das Christkind eigentlich, wenn gerade nicht Weihnachten ist? Jeder kennt zwar den fleißigen Helfer des Jesuskindes, doch kaum jemand weiß wirklich Genaueres über diese Tradition. „Heute“ hörte sich die Experten um und fand heraus, was es mit dem Christkind tatsächlich auf sich hat.
Blonde Locken, in unschuldigem Weiß gekleidet, mit einem engelsgleichen Lachen – so stellte sich wohl schon Martin Luther (1483 – 1546) das Christkind vor. Der evangelische Reformator war es nämlich, der die Figur vor 475 Jahren „erfand“. „Luther wollte damit die Verehrung des heiligen Nikolaus abstellen, der in der Vorweihnachtszeit die Kinder beschenkt hat“, erklärt Christoph Tschaikner vom Verein Pro Christkind “Heute“.
„Im Gegensatz zum lärmenden Weihnachtsmann verbreitet das Christkind vor allem Ruhe und Besinnlichkeit“, betont der Wiener Dompfarrer Toni Faber. Wenngleich er festhält: „Das Christkind, so wie wir es kennen, ist ein mit Flügel behaftetes Engelskind und Bote des Jesuskindes“. In seiner „freien Zeit“, so glaubt Faber, lebt das Christkind bei Gott im Himmel und sammelt Kraft und Energie für das Beschenken der Menschen.
Kraft und Energie brauchen aber auch die menschlichen Christkinder, denn heimische Soziologen haben herausgefunden, dass falsche Geschenke zu „Irritationen“ in Beziehungen“ führen können.
Yaldā oder Schab-e Chelle
Yalda, als iranisches Fest, wird während der längsten Nacht des Jahres, das heißt am Vorabend der Winter-Sonnenwende (20. od. 21. Dez.) gefeiert. Nach altiranischen Überlieferungen, wurde in dieser Nacht Mithra (Sonnengott) geboren. Sogar nach dem Untergang des Sassanidenreiches und dem folgenden Aufstieg der Moslemkalifen, die gegen alle iranischen Bräuche und Traditionen waren, hat sich bei dieser Tradition und der Familien-Versammlungen während der längsten Nacht des Jahres nichts geändert, und das hat heute noch eine starke Präsenz.
Die Yalda-Nacht, die Nacht vor dem ersten Dey-Tag, also die längste Nacht des Jahres wird auch “Schab-e Chelle” genannt. In dieser Nacht finden sich Freunde und Verwandte in den Häusern der Ältesten ein und verbringen die Nacht fröhlich gemeinsam. Traditionell werden in dieser Nacht getrocknete Naschsachen, Zuckermelonen, Melonen und Granatäpfel gegessen. Die Ältesten erzählen Geschichten und es wird im Diwan des Hafis gelesen. Die Menschen freuen sich über die Wiedergeburt des Lichtes (die Sonne), denn nach “Schabe Yalda” werden die Tage wieder länger.
In der altpersischen Tradition kam der Herrscher zu “Schabe Yalda” vom Thron herab und begab sich in die Wüste. Er schickte Diener und Wächter in den Urlaub und ging in ein Dorf, um dort die Nacht mit einfachen Bauern zu verbringen und ihnen zu zuhören. Ein weiterer Brauch ist das Entzünden eines großen Feuers, das Licht und Hoffnung repräsentiert.
Im Rahmen des Mithraskultes kam dieses Fest als Fest des Lichtes durch Legionäre auch in das römische Reich. Manche christlichen Historiker sind der Meinung, dass Weihnachten eine Weiterentwicklung dieses Festes sei. Bis zum 4. Jahrhundert wurde, im antiken Rom, diese Nacht als Geburtsnacht des Lichtes (Mithras) abgehalten. Mit Übernahme des Christentums als Staatsreligion wurde dieses Fest im alten Rom von der Kirche als Geburt Jesu Christi umgewidmet. Ähnliche Sonnwendfeiern sind auch von den Kelten und Germanen überliefert.
Julfest
Das Julfest ist ein nordeuropäisches Fest der Wintersonnenwende. In den skandinavischen Sprachen heißt Weihnachten heute jul oder jol, im Finnischen joulu, im Englischen besteht der Begriff Yule und im Sölring (Sylter Friesisch) heißt es Jül oder Jööl. In der weiteren Bedeutung umfasst es ganz allgemein das Festmahl. Das Festmahl ist auch ein uralter Mythos, welches an Felsenmalereien vom Mithrakult (genannt = Heidentum) dargestellt wird, und somit auch in das Christentum übertragen wurde. Die frühe Geschichte des Julfestes ist sehr umstritten. Die Meinungen reichen von der Leugnung eines vorchristlichen Julfestes bis zu Rekonstruktionsversuchen aus späteren Bräuchen. Dabei spielt die unterschiedliche Bewertung der altwestnordischen Quellen hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit die entscheidende Rolle. Es ist aber unstrittig, dass das Wort selbst vorchristlich ist. Die Kirche hatte vergeblich versucht, das Wort durch andere Begriffe zu ersetzen.
Gefeiert wird die wiedergeborene Sonne und das Längerwerden der Tage, da dieser Wechsel seit Menschengedenken überlebenswichtig ist, vor allem für die Saat und Ernte. Man sieht das Julfest als eine zwölftägige Friedenszeit, in der die Häuser mit immergrünen Zweigen wie Buchsbaum, Eibe, Fichte, Tanne, Stechpalme, Kiefer, Efeu und Wacholder geschmückt werden, denen man schützende und heilende Kräfte zuschreibt.
Der altisländische Kalender lebte neben dem kirchlichen Kalender, nach der Christianisierung, noch eine Weile fort. Er wurde allmählich dem julianischen Kalender angeglichen. Die gotischen und altwestnordischen Monatsnamen „juleis“ und „ýlir“ sind bereits dem kirchlichen Kalender angepasst und besagen nur, dass das Julfest zwischen Mitte November und Mitte Januar lag. Es ist aber nicht sicher, ob die Bezeichnung „Mittwinternacht“ in der vorchristlichen Periode wirklich die Mitte des Winterhalbjahres war, oder die längste Nacht der Winterperiode.
Die längste Nacht als “Yalda” (Geburt der Sonne = Mithra) ist in der südlichen Halbkugel ein uraltes Fest.
Brennendes Sonnenrad zum Julfest
Im nordisch-germanischen Neuheidentum ist das germanische Julfest das wichtigste Fest im Jahr und man bedient sich dessen, was Volkskundler für vorchristliche Bräuche halten, um die Julzeit und das Mittwinterfest zu rekonstruieren. Hier wird es als Wintersonnwendfest gefeiert, manchmal zum astronomischen Datum, dem 21. Dezember („Julmond“), aber auch zum zugeschriebenen 25. Dezember. Am ersten Weihnachtstag geht es zur Kirche, dabei säumen brennende Kerzen in den Fenstern der Landgemeinden den Weg. Dieser Tag ist im Gegensatz zu den vorherigen eher ruhig und beschaulich. Die Nachbarn und Bekannten besuchen einander, die Kinder beschäftigen sich mit den neuen Spielsachen oder ziehen von Haus zu Haus und wünschen „God Jul“.
Entwicklungen im Mittelalter und danach
Im Mittelalter und der Neuzeit entwickelten sich die Julbräuche in Skandinavien weiter. So gab es in Schweden, Norwegen und Finnland, aber auch auf dem Kontinent bis ins 20. Jahrhundert hinein das „Julstroh“. Möglicherweise handelte es sich um keltisch-germanische Einflüsse in Verbindung mit den Fruchtbarkeitsgöttinnen aus der uralten Zeit, und diese werden mit Bedas „Nacht der Mütter“ in England in Verbindung gebracht. Es gab noch viele Riten, die nicht unmittelbar christlichen Gehalt haben, sondern alle Elemente des damaligen Aberglaubens auf sich fokussierten.
Abendmahl
Zu Weihnachten herrscht vor allem in den Küchen reges Treiben. Aber warum reicht man ausgerechnet Gans und Karpfen zum Festmahl? Traditionell wird am Heiligen Abend Fisch (Karpfen oder Lachs) gereicht und am ersten Weihnachtstag der Gänsebraten. Die Gans ist allerdings ein verhältnismäßig junger Festbraten. Der Brauch stammt angeblich aus England aus der Zeit Elisabeth 1., der am Weihnachtstag im Jahr 1588 eine Gans aufgetischt wurde, just als sie von Sieg über die spanische Armada erführ. Vor lauter Freude soll sie die Gans damals zum glücksbringenden Weihnachtsbraten erklärt haben.
Eine Schuppe vom Weihnachtskarpfen in
der Geldbörse soll dafür sorgen, dass diese nie leer wird
Eine längere Tradition hat der Karpfen vorzuweisen. Ersteht ganz oben auf der Liste der Weihnachtsspeisen und schmückt sich mit allem, was sich Glauben und Aberglauben auf die Fische bezieht. Das Karpfenglück verheißt Reichtum, Potenz, Erneuerung über allem aber steht das Symbol der Fruchtbarkeit. Diesbezüglich übertrumpft der Karpfen alle anderen Artgenossen: ein Karpfenweibchen verfügt über Millionen von Eiern. Deshalb bekam der Hausvater früher immer Karpfenkaviar mit ein paar Tropfen Zitrone serviert. Und wer sich vom Weihnachtskarpfen eine Schuppe in die Geldbörse steckte, der sollte angeblich bis zum nächsten Jahr nie leer finden.
Die Karpfengräten wurden auch unter Obstbäume gelegt, weil man hoffte, diese würden bei der nächsten Ernte üppigere Früchte einbringen. Und zu guter Letzt gilt der Fisch auch als Symbol für Jesus Christus, denn das griechische Wort für Fisch (ichthys) bildet eine Abkürzung für die Formel Jesus, Christus, Gottessohn, Heiland. Da die Fastenzeit früher erst am 25. Dezember endetet, musste Heiligabend Diät gehalten werden. Fisch durfte gegessen werden, aber nur, wenn er nicht über den Tellerrand hinausreichte. Deshalb im Mittelalter der Karpfen angenommen und den tellergerechten Spiegelkarpfen mit hoher, aber kurzer Form gezüchtet
Literatur:
H. Celander:: Förkristen julenligt norrönakällor. 1955
Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Marix Verlag, Wiesbaden 2007
Arni Bjørnsson: High days and Holidays in Iceland. 1995
A. Tille: Die Geschichte der deutschen Weihnacht. 1893
Lily Weiser-Aall: Jul. In: Kulturhistorisk leksikon for nordisk middelader, Bd. 8.. Kopenhagen 1963
Wiktionary: Julfest – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Steinbock, Fritz “Das heilige Fest, Rituale des Traditionellen Germanischen Heidentums in Heutiger Zeit”, Daniel Junker Verlag 2004
Heute, Mi. 22.12.2010, Wien


